Medienkompetenz für Siebtklässler

In der letzten Woche vor den Herbstferien liegt am Kolleg St. Thomas die Methodenwoche an, in der all das thematisiert werden soll, was im regulären Unterricht zu wenig Raum findet.

Der Fachbereich Informatik fühlt sich von Klasse 5 an für die Medienerziehung der Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Deshalb sieht das Medienkonzept am Kolleg unter anderem auch vor, den Kindern eine umfassende Fähigkeit zur Medienkritik zu vermitteln. Dieses präventive Vorgehen hat in diesem Jahr das erste Mal in einer neuen Form statt gefunden, bei der außerschulische Referenten aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen Workshops mit den Kindern der 7. Klassen veranstaltet haben.

Bereits am Montag war Herr Claas Hanken bei uns. Er ist Jurist und hat mit den Kindern zunächst das „Social Network“ identifiziert und die unterschiedlichen Rechtsgebiete, die im Internet zur Anwendung kommen, thematisiert. Mancher wird sich darüber gewundert haben, dass neben dem Urheberrecht und dem Datenschutzrecht auch Vertragsrecht, Markenrecht, Medienrecht und vor allem das Strafrecht auf das Internet anwendbar sind. Dem Datenschutz wurde hier besondere Beachtung geschenkt und anhand von Fallbeispielen eine sukzessive Eingrenzung des Umgangs mit personenbezogenen Daten vorgenommen. Betont wurde vor allem, dass es das Geschäftsmodell von Plattformbetreibern wie Facebook ist, die gesammelten Nutzerdaten zu verwerten und weiterzugeben.
In einem Praxisteil konnten die Schülerinnen und Schüler das Gelernte direkt anwenden, indem sie für einen möglichen Internetauftritt eines imaginären Vereins Bilder, Musik, Videos, Podcasts usw. heraussuchen und präsentieren. Anhand der Präsentationen wurde dann jedem klar, was für Bedingungen erfüllt sein müssen, will man eine rechtlich einwandfreie Internetpräsens gestalten. Der Vortrag befindet sich hier.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen von technischen Aspekten des World-Wide-Web. Hier sollte klar werden, wie genau die Datenkommunikation im Internet funktioniert und was das zum Teil für Probleme mit sich bringt. So konnten die Siebtklässler erfahren, wie man Internetseiten erstellt und wie die Kommunikation zwischen zwei Rechnern organisiert wird. Überrascht waren sie von der Möglichkeit, die „Unterhaltung“ zwischen zwei Rechnern abzuhören und so sensible Daten wie z.B. Benutzernamen und Passwörter aufzudecken. Auch das Anlegen von Benutzerprofilen durch so genannte „Cookies“ wurde hier vorgestellt. Zwar war die Empörung seitens der Schüler und Schülerinnen groß, es wurde aber festgestellt, dass ein Unterbinden solcher Vorgänge auf Kosten der Funktionalität geht. Dieser Part wurde von Herrn Richter gestaltet. Material

Am Mittwoch stellte uns Herr Christian Horchert alias „fukami“ vom Projekt „Chaos macht Schule“ des Chaos Computer Clubs in Hamburg vor, wie man sich vor dem Sammeln von Benutzerdaten und dem Anlegen von Benutzerprofilen schützen kann. Beeindruckt waren die Kinder vor allem von der Tatsache, dass sie auch mit Bildern, die sie per Smartphone ins Facebook stellen, Informationen über sie preisgeben wie z. B. die genauen Koordinaten des Aufnahmerortes. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Programme und Werkzeuge zur Anonymisierung der eigenen Internetgewohnheiten vorgestellt, sondern auch thematisiert, dass diese für Regiemegegner in manchen Ländern lebensnotwendig sind. Gleichzeitig wurde den Kindern aber auch verdeutlicht, welche Verantwortung eine solche Anonymisierung für sie selbst mit sich bringt. Hier wurde die „Hacker-Ethik“ des Chaos Computer Club als mögliche Verhaltensmaxime genannt.

Geschlossen wurde der Kreis durch Herrn Jens Wiemken, der am Donnerstag als freier Referent der Landesstelle Jugendschutz und der Landesmedienanstalt zu uns kam. In seinem Workshop lernten die Kinder Verhaltensregeln kennen, die sie vor Rechtsextremismus im Netz, Pornografie, Gewaltverherrlichung und Cybermobbing schützen. Anhand von realen Beispielen wurde den Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll vermittelt, wie subtil beispielsweise pädophile Erwachse vorgehen, um mit ihren Opfern in Kontakt zu kommen. Wichtig war Herrn Wiemken vor allem die Entwicklung einer Empathiefähigkeit, die unsere Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, verantwortungsbewusst mit den Communities, Videoportalen, Computerspielen und anderen vielfältigen Möglichkeiten des WWW umzugehen. Interessant war auch der Aspekt der „Lebenszeit“, die man vor dem Bildschirm zubringt. Man müsse, so Herr Wiemken, sich sehr genau überlegen, wofür man diese Zeit aufbringt.

Mit seinem Workshop knüpfte er nicht nur an die Erkenntnisse an, die am Montag im rechtlichen Bereich gesammelt werden konnten, sondern auch an die Ausführungen von Herrn Horchert, dass technisches Know-How eine große Verantwortung mit sich bringt.

Von den Schülerinnen und Schülern wurde in einer kurzen Evaluation am Freitag die Woche weitgehend positiv aufgenommen, weil „für jeden Geschmack etwas dabei war“. Auch die Referenten beurteilten das Projekt lobend und erklärten sich ohne zu zögern zu einer Wiederholung im nächsten Jahr bereit. Besonders Herr Horchert und Herr Hanken äußerten, dass sie als Nicht-Pädagogen ihrerseits  viel gelernt hätten.

 

Angeregt wurde von verschiedenen Seiten, auch Kolleginnen und Kollegen in dieser Thematik fortzubilden und auch der Elternschaft Vorträge dieser Art anzubieten. Hier bleiben wir am Ball!