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Neue Stellungnahme des Provinzials zu Fällen von Missbrauch und Gewalt

Pater_Provinzial Der Provinzial der Dominikanerprovinz Teutonia, Pater Johannes Bunnenberg OP, hat eine neue Stellungnahme zu Vorfällen sexuellen Missbrauchs und erzieherischer Gewalt im ehemaligen Internat der Dominikaner in Vechta heraus gegeben.

 

 

Stellungnahme des Provinzials zum Thema „Missbrauch“

Eine Reihe von Ordensgemeinschaften wurde in den vergangenen Wochen und Monaten mit Vorfällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch Ordensangehörige konfrontiert. Daneben gab es Vorwürfe von gewalttätigen Erziehungsmethoden. Auch für uns als Dominikaner, die in Vechta bis 1990 ein Internat geführt haben und in deren Trägerschaft sich das Thomas-Kolleg befindet, ist dies Anlass, unsere Vergangenheit kritisch zu befragen. Wir versuchen, in internen Gesprächen und im Gespräch mit Ehemaligen die dunklen Seiten in den Blick zu nehmen.

Uns Dominikaner haben im Hinblick auf das frühere Internat in Vechta eine Reihe von Briefen erreicht, in denen konkrete Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs erhoben werden. Sie beziehen sich sämtlich auf Vorkommnisse Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre. Beschuldigt wird Pater L. S., der Subpräfekt im Internat war. Über ihn wird aus den Jahren 1959 bis 1961 mehrfach und eindeutig ein übergriffiges Verhalten geschildert, das als entwürdigend und verletzend empfunden wurde. Man muss nach jetzigem Erkenntnisstand davon ausgehen, dass es in den Jahren seiner Tätigkeit im Internat bei einem großen Teil des jeweiligen Jahrgangs zu Missbrauchshandlungen gekommen ist. Bei betroffenen  Personen sind teilweise schwere psychische Folgeerscheinungen eingetreten. Der betreffende Pater hat den Orden 1980 verlassen und ist inzwischen gestorben. Eine Strafverfolgung ist nicht mehr möglich. Betroffenen, die dies wünschen, bieten wir an, sich an die vom Orden Beauftragte oder an den Provinzial zu wenden. Der Orden will seinen Beitrag zur Aufarbeitung leisten und Hilfestellungen anbieten. Er empfindet das Geschehene als schwere Schuld und weiß sich verpflichtet, alles zu tun, um vergleichbare Vorfälle zukünftig auszuschließen.

Die Ordensprovinz Teutonia der Dominikaner hat seit 2002 die Leitlinien der Deutschen Ordensobernkonferenz „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute“  (revidierte Fassung vom 8.6.2009) übernommen und geht bei Hinweisen oder Anschuldigungen nach diesen Leitlinien vor. Seit 2002 gibt es eine von der Ordensprovinz Beauftragte, bei der sich evtl. Opfer melden können: Frau Dipl. Psych. Antonie Wiegand, Ägidienmarkt 11, 38100 Braunschweig, Tel.: 0531/126934.

Ein zweites Problemfeld betrifft überstrenge Erziehungsmethoden, die körperliche Züchtigung einschlossen. Dass es sie in den 50er und 60er Jahren gab, war kein Geheimnis und wurde bei Ehemaligentreffen häufiger diskutiert. Auch innerhalb des Ordens fanden darüber Auseinandersetzungen statt. Es werden von den Betroffenen mehrere Patres namentlich genannt. Besonders ein Dominikaner, der inzwischen gestorben ist, wird vielfach der zu großen Härte beschuldigt. Zwei Betroffene haben brieflich die körperlichen Strafen anschaulich beschrieben. Auch  bei Berücksichtigung des Umstandes, dass in den 50er und 60er Jahren körperliche Züchtigung gesamtgesellschaftlich als Erziehungsmethode weithin akzeptiert war, ist klar festzustellen: Es gab nicht akzeptable Entgleisungen und ein Übermaß an Schlägen. Dass dies über einen längeren Zeitraum geduldet wurde, ist für unseren Orden ein schwerwiegender Makel, den wir sehr bedauern. Es gibt Schüler, die unter den Nachwirkungen lange zu leiden hatten. In einem Fall hat mit einem Betroffenen ein Treffen stattgefunden. Wo der Wunsch besteht, bietet der Orden solche Gesprächsmöglichkeiten und andere Hilfen auch in Zukunft an.

Ab Mitte der 60er Jahre fand eine Umstellung des Erziehungskonzeptes statt, die in der Neubesetzung der leitenden Ämter (Internatsleiter, Schuldirektor) Ausdruck fand.

P. Johannes Bunnenberg OP, Provinzial

Lindenstraße 45, 50674 Köln, Tel.: 0221 / 580 700 00