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Stellungnahme zu Vorfällen sexuellen Missbrauchs und erzieherischer Gewalt

Pater_Provinzial Zu Vorfällen sexuellen Missbrauchs und erzieherischer Gewalt im ehemaligen Internat der Dominikaner in Vechta hat der Provinzial der Ordensprovinz eine Stellungnahme heraus gegeben.

Stellungnahme des Provinzials zum Thema „Missbrauch“

Eine Reihe von Ordensgemeinschaften werden in diesen Wochen mit Vorfällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch Ordensangehörige konfrontiert. Daneben gibt es Vorwürfe von gewalttätigen Erziehungsmethoden. Auch für uns als Dominikaner, die in Vechta bis 1990 ein Internat geführt haben und in deren Trägerschaft sich das Thomas-Kolleg befindet, ist dies Anlass, unsere Vergangenheit kritisch zu befragen. Wir versuchen, in internen Gesprächen und im Gespräch mit Ehemaligen die dunklen Seiten in den Blick zu nehmen.

An die Dominikaner in Vechta sind zunächst per mail zwei sehr allgemein gehaltene Beschuldigungen über sexuellen Missbrauch von anscheinend nicht selbst Betroffenen herangetragen worden. Sie bezogen sich auf Vorkommnisse im Internat Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre. Wir haben in unserer Antwort deutlich gemacht, dass uns an einer Aufklärung gelegen ist, wir dafür aber konkretere Informationen benötigen.

Inzwischen gibt es einige konkrete Vorwürfe sexuellen Missbrauchs. Sie konzentrieren sich auf einen ehemaligen Dominikaner und beziehen sich auf entwürdigende und verletzende Praktiken der Sexualaufklärung, bei denen Grenzen überschritten worden sind. Bei betroffenen Jugendlichen ist es zu schweren psychischen Folgeerscheinungen gekommen. Der genannte Pater hat den Orden 1980 verlassen und ist inzwischen gestorben. Eine Strafverfolgung ist nicht mehr möglich. Betroffenen, die dies wünschen, bieten wir an, sich an die vom Orden Beauftragte oder an den Provinzial zu wenden.

Die Ordensprovinz Teutonia der Dominikaner hat seit 2002 die Leitlinien der Deutschen Ordensobernkonferenz „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Ordensleute“ (revidierte Fassung vom 8.6.2009) übernommen und geht bei Hinweisen oder Anschuldigungen nach diesen Leitlinien vor. Seit 2002 gibt es eine von der Ordensprovinz Beauftragte, bei der sich evtl. Opfer melden können: Frau Dipl. Psych. Antonie Wiegand, Ägidienmarkt 11, 38100 Braunschweig, Tel.: 0531/126934.

Ein zweites Problemfeld betrifft überstrenge Erziehungsmethoden, die körperliche Züchtigung einschlossen. Dass es sie in den 50er und 60er Jahren gab, war kein Geheimnis und wurde bei Ehemaligentreffen häufiger diskutiert. Auch innerhalb des Ordens fanden darüber Auseinandersetzungen statt. Es werden von den Betroffenen mehrere Patres namentlich genannt. Besonders ein Dominikaner, der inzwischen gestorben ist, wird vielfach der zu großen Härte beschuldigt. Zwei Betroffene haben brieflich die körperlichen Strafen anschaulich beschrieben. Auch bei Berücksichtigung des Umstandes, dass in den 50er und 60er Jahren körperliche Züchtigung gesamtgesellschaftlich als Erziehungsmethode weithin akzeptiert war, ist klar festzustellen: Es gab nicht akzeptable Entgleisungen und ein Übermaß an Schlägen. Dass dies über einen längeren Zeitraum geduldet wurde, ist für unseren Orden ein schwerwiegender Makel, den wir sehr bedauern. Es gibt Schüler, die unter den Nachwirkungen lange zu leiden hatten. In einem Fall hat mit einem Betroffenen ein Treffen stattgefunden. Wo der Wunsch besteht, bietet der Orden solche Gesprächsmöglichkeiten und andere Hilfen auch in Zukunft an.

Ab Mitte der 60er Jahre fand eine Umstellung des Erziehungskonzeptes statt, die in der Neubesetzung der leitenden Ämter (Internatsleiter, Schuldirektor) Ausdruck fand. Für die Zeit danach sind bisher keine gravierenden Vorwürfe bekannt.

P. Johannes Bunnenberg OP, Provinzial

Lindenstraße 45, 50674 Köln, Tel.: 0221 / 580 700 00